Dysfunktionalitäten – Unter diesem Titel fand vom 5. bis 8. Oktober 2011 in Potsdam die Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) statt. Ich konnte an allen vier Tagen dabei sein – hier der Kurzbericht.

Thematisch stand das titelgebende ,Dysfunktionale‘ im Mittelpunkt. Unter diesem Begriff fanden rund 50 Vorträge statt, die aus verschiedenen theoretischen Perspektiven Brüche, Dissonanzen und Störungen medialer Dispositive und Praktiken zur Diskussion stellten. Den Anfang machte Rick Altman, der in seiner Keynote Speech New Wine in Old Wineskins. The Many Functions of Media Dysfunctionality den Dysfunktionalitätsbegriff für die Mediengeschichtsschreibung fruchtbar machte.

Der zweite Tagungstag begann für mich mit dem Panel Konjunktur DES ORIENTIERUNGssinns, in dem Julia Eckel sich an einer Typologisierung nonlinearer Narrationen im zeitgenössischen Erzählkino versuchte, während Bernd Leiendecker sein Promotionsprojekt zur Geschichte des unzuverlässigen Erzählens im Film vorstellte. Christina Piepiorka behandelte wiederum das Problem der (Des-)Orientierung in transmedialen TV-Serien. Im zweiten Vormittags-Panel ging es um Erfahrungen von Hybridität und Störung im Kinosaal, wobei besonders die Vorträge von Thomas Klein zum ,Secret Cinema‘ und Julian Hanich zu Problematischen Zuschauerbeziehungen im Kino interessante Perspektiven auf die Kinowahrnehmung lieferten. Die Nachmittagspanels, die ich besuchte, waren von gemischter Qualität – Dysfunktionalität und Störungen schlichen sich auch durch Programmänderungen und Zeitmanagement-Probleme in manche Panels ein. Erwähnenswert waren jedoch u.a. die Beiträge von Jochen Venus Zur gesellschaftlichen Funktion medialer Dysfunktionalität, in dem er den Dysfunktionalitätsbegriff aus der Sicht der Systemtheorie diskutierte, und von Christine Hanke, die mit der Actor Network Theory am Beispiel der medialen Performativität der Zahl die konstitutive Unverfügbarkeit (oder Dysfunktionalität) ,der Dinge‘ beschrieb, die gerade im Prozess ihrer Verfügbarmachung (oder Funktionalisierung) sichtbar wird.

Der dritte Tagungstag stand zwar vor allem im Zeichen von AG-Treffen und Mitgliederversammlung, doch auch das Panel zum Animationsfilm, das ich am Vormittag besuchte, war durchaus spannend: Hier sprach u.a. meine Hamburger Kollegin Maike Reinerth zur Animation als Subjektivierungsstrategie im Realspielfilm und Andreas Rauscher zur Animationsästhetik in Videospielen. Auf ganz andere Weise spannend war dagegen das nachmittägliche Treffen der AG Games, bei der über die Zukunft der Arbeitsgruppe diskutiert wurde. Das wichtigste Ergebnis bestand schließlich darin, das sich die Gruppe mit neuem Koordinationsteam aufstellte und den Entschluss für baldige konkrete Projekte fasste. Personelle Veränderungen brachte dann auch die anschließende Vollversammlung der GfM-Mitglieder im Kinosaal der HFF Potsdam: Der seit vier Jahren amtierende Vorstand wurde durch ein neues Team abgelöst, dem Malte Hagener (Marburg) als Vorsitzender vorsteht. Die GfM-Jahrestagung 2012 wird dagegen vom scheidenden Vorsitzenden Vinzenz Hediger in Frankfurt ausgerichtet werden.

Trotz abendlicher Party und nächtlichem Kneipenbesuch war am vierten und letzten Tagungstag schließlich noch Gelegenheit zum Besuch zweier Panels voller Hamburger KollegInnen: Vormittags sprach u.a. Andreas Stuhlmann zur (Dys-)Funktionalität des Genre-Begriffes, am Nachmittag trat der Rest des IMKs zum gemeinsamen Panel Dysfunktionalität als Stil in audiovisuellen Medien auf. Die Vorträge von Thomas Weber, Markus Kuhn, Joan Bleicher und Kathrin Fahlenbrach ergänzten sich dabei in überzeugender Weise und verbanden die Analyse konkreter medialer Einzelphänomene mit der Gesamtschau auf die mediale Tradition simulierter medialer Dysfunktionalitäten.

Mit diesem Panel endete dann auch die äußerst professionell organisierte und reibungslos durchgeführte Jahrestagung, deren einziger Wehrmutstropfen die manchmal etwas durchwachsene Qualität der Panels war.

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