130928_researchinggames2013

Eine Gruppe Jugendlicher steht in der Herbstsonne und geht einer Tätigkeit nach, die wie eine moderne Form des ‘Ringelreihen’ anmutet: Die Spielenden formen einen Kreis (gleichsam einen ‘magic circle‘), während Einzelne in dessen Mitte streng choreografierte Abklatschmuster absolvieren. Es ist die Urszene des menschlichen Regelspiels, die sich mir darbietet, als ich aus dem Fenster des Tagungsraums der Jugendherberge Wiesbaden blicke und einmal mehr realisiere: Spieleforschung muss sein, denn das Spiel (sei es nun analog oder digital) ist nicht wegzudenkender Bestandteil der menschlichen Kultur. Wie gut also, dass ich den Tagungsraum mit fast 50 Menschen teile, die das genau so sehen, und wie gut, dass die Initiative von Florian Berger, Steve Hoffmann, Christian Roth und Denise Lengyel sie wieder in Wiesbaden zusammen geführt hat: zum 3. Researching Games Barcamp.

Das Barcamp ist das nun bereits zum dritten Mal stattfindende Jahrestreffen der deutschen Computerspielforschung, bei dem nicht Abstracts, thematisch fokussierte Sessions und Peer-Review-Verfahren im Mittelpunkt stehen, sondern der ungezwungene interdisziplinäre Austausch über den gemeinsamen Forschungsgegenstand. Mit der Jugendherberge Wiesbaden stand auch in diesem Jahr wieder ein kostengünstiger und zentral gelegener Veranstaltungsort zur Verfügung. Vom 28. bis 29. September fanden in zwei parallelen Tracks rund 30 Vorträge aus den unterschiedlichsten disziplinären Perspektiven statt, darunter die Medienpsychologie, Medienwissenschaft, Informatik, Game Design und (kein Scherz!) Medizinethik.

130928_resgames02Durch geschickte (weil crowdgesourcte) Slotplanung konnte in diesem Jahr fast komplett auf einen dritten Track verzichtet werden, so dass man knapp die Hälfte der überwiegend interessanten und bisweilen brillanten Vorträge hören konnte. In meinem Fall bestand das ‘Menü’ überwiegend aus medien- und kulturwissenschaftlichen Vorträgen und solchen, die konkrete und theoretische Probleme des Game Design betrafen. Zu den Höhepunkten zählten dabei die Vorträge von Yvonne Stingel-Voigt zur Funktion von Musik im Computerspiel, Felizitas Baum zur Narrativität des Spiels, Arno Görgen mit einem spannenden Überblick über medizinethische Diskurse in Computerspielen und des wie gewohnt streitbaren Christian Huberts mit sechs bedenkenswerten Thesen zur Zukunft des Computerspiels als Kultur. Mein eigener Vortrag am ersten Tag des Barcamp war (trotz seines abschreckenden Titels *Sigmund-Freud-Alarm*) erfreulich gut besucht und widmete sich dem Thema des Affective Game Design und damit der Rolle von Stimmung, Affekt und des Vorbewussten in der ästhetischen Wahrnehmung der Spieler/innen und für die audiovisuelle Gestaltung von Spielen.

130928_resgames04Auch am zweiten Tag des Barcamps kam ich auf meine geisteswissenschaftlichen Kosten: In einem spannenden Vortrag zum Verfremdungseffekt und der ‘Vierten Wand’ im Computerspiel spannte Svenja Baumann einen Bogen vom antiken Theater über das Epische Theater Bertolt Brechts zu Phänomenen der Spieleradressierung in Monkey Island oder Spec Ops: The Line. Mein Hamburger Kollege Florian Hohmann problematisierte außerdem den Begriff des ‘Indie Game’, Benjamin Rostalski stellte die Stiftung Digitale Spielekultur vor und Georg Struck präsentierte in einem klassischen Eye-Opener-Vortrag eine äußerst elegante Lösung für das Problem naturalistischer Interfaces in komplexen Spielen.

Abgerundet wurde das Barcamp auch in diesem Jahr wieder durch die anregenden Pausengespräche und natürlich die Researching Games Night, die neben Musik, Getränken und Gesprächen wieder viele spannende Single- und Multiplayer-Spielerfahrungen bot (darunter eine Heiserkeit-induzierende Partie Spaceteam mit sechs Spielern!). Dem Orga-Team und allen Teilnehmer/innen sei an dieser Stelle herzlich gedankt! Wir sehen uns beim Researching Games Barcamp 2014 oder bei einem bereits in Planung befindlichen Researching Games Local: Hamburg im Frühjahr 2014.

2 Comments »

  1. Hallo Felix,

    ich finde Deine Zusammenfassung des Barcamps sehr gelungen, insbesondere die Einleitung ist originell. (Ich habe die auch beim Abklatschen beobachtet.) Gute Idee, das gleich zu verbraten.

    Ich hätte ein konretes Anliegen. Könntest Du Dir vorstellen, Deinen Beitrag auf der Website der Stiftung Digitale Spielekultur erneut zu veröffentlichen? Natürlich komplett mit Veweis auf Deinen Blog, Autoren-Foto etc. pp. Wollen uns ja nicht mit fremden Federn schmücken. Aber wozu selbst schreiben, was andere bereits gut geschrieben haben?

    Viele Grüße,

    Benjamin

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