Grenzgänge zwischen Theorie und Praxis und interdisziplinäre Perspektiven auf die Entwicklung, Ästhetik und Aneignung digitaler Spiele – das versprach auch in diesem Jahr die Games-Ringvorlesung, die im Sommersemester 2016 erneut in Kooperation zwischen der Universität Hamburg und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg ausgerichtet wurde. Das Thema diesmal: Game Design als Worldbuilding, Welt- und Grenzerfahrungen in digitalen Spielen sowie ihre rechtlichen Implikationen.

RV_Plakat_SocialMediaDurch eine dreiwöchige Pause in der Mitte des Semesters teilten sich die insgesamt neun Vorlesungstermine in zwei Blöcke, deren erster eher theoretisch und deren zweiter eher praktisch ausgerichtet war. Dies dürfte den Interessen des regelmäßig zwischen 100 und 150 Teilnehmer*innen starken Publikums entsprochen haben, das sich zu gleichen Teilen aus Studierenden beider Hochschulen zusammensetzte. Den Schulterschluss von Wissenschaft und Praxis dokumentierte schließlich auch die eindrucksvolle Riege der Sponsoren der Ringvorlesung, zu denen nicht nur der Hamburger Spieleentwickler InnoGames und die Gamecity:Hamburg zählte, sondern ebenfalls die Fakultät Design, Medien, Information der HAW, das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung sowie die Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Hamburg.

Den Anfang am 12. April machten Johannes Kristmann und Riad Djemili vom Berliner Zwei-Mann-Studio Maschinen-Mensch, die am Beispiel ihres Indie-Hits Curious Expedition die Herausforderungen und Potenziale von ‘generativem Storytelling’ diskutierten. In ihrem so unterhaltsamen wie profunden Vortrag stellten sie ihre eigens entworfene ‘Story-Engine’ vor, die durch geschickt designte Algorithmen prozedurale Geschichten von erstaunlicher Kohärenz und Tiefe zu generieren im Stande ist. Von den Geschichten digitaler Spiele und ihrem Beitrag zum Worldbuilding verlagerten dann die nächsten beiden Vorträge den Schwerpunkt auf die spezifischen Formen von Welterfahrung, die sie ermöglichen. So diskutierte der Kommunikationswissenschaftler Daniel Possler von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover die Rolle von Musik und Sound in der Spielerfahrung und Christian Huberts, Kulturwissenschaftler aus Berlin, stellte sein von Gernot Böhmes Neuer Ästhetik inspiriertes Konzept der atmosphärischen Welterfahrung in Games vor. In der letzten Sitzung vor der Pause schließlich wurde noch einmal ein ganzes Panel voller Jurist*innen bemüht, um das stets aktuelle Thema von Nutzerrechten in digitalen Spielen zu diskutieren. Souverän und unterhaltsam moderiert von Stephan Dreyer, Senior Researcher am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, beleuchteten Ramak Molavi (Berlin) und Stephan Zimprich (Hamburg) das Verhältnis von In-Game-Recht und realweltlichen Recht sowie regulatorische Probleme der Spieleindustrie.

Die zweite Hälfte der Ringvorlesung stand dagegen ganz im Zeichen der Praxis und wartete gleich zu Beginn mit einem besonderen Highlight auf: Jan ‘Poki’ Müller-Michaelis, Creative Director beim Hamburger Spieleentwickler Daedalic Entertainment, gab sich die Ehre und gewährte spannende Einblick in die Entstehungsgeschichte seines wohl bekanntesten Spiels, Edna bricht aus (2008). Dabei stellte sich Müller-Michaelis mit seiner These, dass jedes gute (story-fokussierte) Spiel um einen zentralen Konflikt konstruiert sein und alle Design-Elemente aus diesem Konflikt ableiten müsse, bewusst in die erzählerische Tradition von Drama, Literatur und Film. Anschaulich zeigte er am Beispiel der Edna– und Deponia-Reihe, wie das Potenzial von Spielen als künstlerisches Ausdrucksmittel durch den Rückbezug auf dramaturgische und rhetorische Konzepte nicht-interaktiver Medien gesteigert werden kann.

Die Fähigkeit von Spielen (politische) Ideen auszudrücken griff eine Woche später auch Sonja Prlić (Salzburg) von der KünstlerInnengruppe gold extra auf. Dabei legte sie den Schwerpunkt auf die ‘dokumentarischen’ Spiele Frontiers und From Darkness, die sich mit Fluchterfahrungen an den europäischen Grenzen sowie den Lebensrealitäten von Krankenschwestern, Straßenkindern, Journalisten und Flüchtlingen in Ostafrika beschäftigen. Ähnlich künstlerisch, aber mit einem stärkeren Fokus auf atmosphärische Spielerfahrung ging es schließlich bei Marek Plichta, Game Designer und Art Director beim Berliner Studio Spaces of Play zu, der das als exploratives Action-Adventure angekündigte Future Unfolding vorstellte und an seinem Beispiel das Entstehen kreativer Schaffensprozesse diskutierte. So zeigte er auf, wie gestalterische Techniken aus Literatur, Kunst und Medien auch die Praxis eines Game Designers bzw. Artists inspirieren können. Mit den letzten beiden Veranstaltungen wandte sich die Ringvorlesung schließlich der Arbeitswelt zu: So diskutierten Asta Baumöller, Recruiterin aus Berlin und Kai Bodensiek, Justiziar beim GAME Bundesverband, unter Moderation von Nico Nolden (Universität Hamburg) die Arbeitsbedingungen in der Games-Branche und beim großen Abschluss-Event am 28. Juni gab Matthew Bartz, Team Lead Software Development bei InnoGames, Einblicke in die Arbeit in einem internationalen Team sowie die Herausforderungen und Chancen interkultureller Unterschiede.

Die Fähigkeit von Spielen (politische) Ideen auszudrücken griff eine Woche später auch Sonja Prlić (Salzburg) von der KünstlerInnengruppe gold extra auf. Dabei legte sie den Schwerpunkt auf die ‘dokumentarischen’ Spiele Frontiers und From Darkness, die sich mit Fluchterfahrungen an den europäischen Grenzen sowie den Lebensrealitäten von Krankenschwestern, Straßenkindern, Journalisten und Flüchtlingen in Ostafrika beschäftigen. Ähnlich künstlerisch, aber mit einem stärkeren Fokus auf atmosphärische Spielerfahrung ging es schließlich bei Marek Plichta, Game Designer und Art Director beim Berliner Studio Spaces of Play zu, der das als exploratives Action-Adventure angekündigte Future Unfolding vorstellte und an seinem Beispiel das Entstehen kreativer Schaffensprozesse diskutierte. So zeigte er auf, wie gestalterische Techniken aus Literatur, Kunst und Medien auch die Praxis eines Game Designers bzw. Artists inspirieren können. Mit den letzten beiden Veranstaltungen wandte sich die Ringvorlesung schließlich der Arbeitswelt zu: So diskutierten Asta Baumöller, Recruiterin aus Berlin und Kai Bodensiek, Justiziar beim GAME Bundesverband, unter Moderation von Nico Nolden (Universität Hamburg) die Arbeitsbedingungen in der Games-Branche und beim großen Abschluss-Event am 28. Juni gab Matthew Bartz, Team Lead Software Development bei InnoGames, Einblicke in die Arbeit in einem internationalen Team sowie die Herausforderungen und Chancen interkultureller Unterschiede.

Dank der vielen Sponsoren und des engagierten Organisationsteams – neben mir: Ralf Hebecker (der Nimmermüde!), Mareike Ottrand und Nico Nolden – war die Ringvorlesung jedoch nicht nur eine spannende Vortragsreihe, sondern auch ein Forum für lockeren Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden, das mehr als einmal mit besonderen Events aufwartete: von der Flankierung der Vorträge mit Probierstationen (wie die VR-Simulation Sensoria), über die Austattung des Publikums mit Popcorn und Cosplay-Utensilien bis hin zur großen Abschluss-Sause bei InnoGames. Auch in diesem Jahr war die Games-Ringvorlesung damit eine äußerst angenehme und erfolgreiche hochschulübergreifende Kooperation.


Bilder: © Flavia Rodriguez Heinlein, Katharina Dohle, Felix Schröter

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